Ein Stück Fatima in Dorfen
Dreieinhalb Stunden lang, mit nie abnehmender Begeisterung, begingen über 400 Menschen am 4. Oktober in Dorfen eine feierliche Marienweihe mit Rosenkranz, heiliger Messe, Lichterprozession, Weiheakt und Reliquiensegnungen. So etwas kennt man sonst höchstens von Fatima in Portugal, einem der größten Marienwallfahrtsorte Europas. Und so auch wurde dieser ereignisreiche Tag zu, wie es die örtliche Marianische Männerkongregation ausdrückte, zu einem „Stück Fatima in Dorfen“.
Begonnen hat dieses gut vorbereitete Ereignis um 18 Uhr mit dem Rosenkranz. Dabei wurde das Allerheiligste ausgesetzt und verehrt und es gab die Möglichkeit, das Sakrament der Beichte zu empfangen. Nach dieser Vorbereitung begann die Heilige Messe mit einem feierlichen Einzug der Ministranten, der Fahnenträger der verschiedenen Marianischen Männerkongregationen, den Priestern, Pater Georg Greimel, dem Präses der Marianischen Männerkongregation (MC), Martin Ringhof (Dekan), Pater Bibin Varghese (Pfarrvikar), Pater Arun Abraham (Isener Kaplan) und Diakon Christian Marcon. Mit der Liednummer 536 aus dem Gotteslob ‚Gegrüßet seist du Königin‘ ehrte Ernst Bartmann an der Orgel unsere himmlische Mutter zu Beginn des Gottesdienstes.
Manfred Benkert aus Altötting, Gründer der Initiative „Deutschland betet Rosenkranz“, hielt eine kurze Ansprache über die Hintergründe dieser Marienweihe: Inmitten der Unruhen des Ersten Weltkriegs erschien die Gottesmutter zum ersten Mal am 13. Mai 1917 den drei Hirtenkindern, Lúcia dos Santos, Jacinta und Francisco Marto. Darauf folgten weitere fünf Erscheinungen, in denen Maria den Kindern Botschaften überbrachte, vor weiterem kommendem Unheil warnte und ihren mütterlichen Schutz anbot. Sie bat u.a. auch darum, dass man Russland ihrem Unbefleckten Herzen weihe. Seitdem pilgern tausende von Menschen dorthin, um Trost und Hilfe zu erfahren, aber auch um Dank auszusprechen oder Versprechen einzulösen. Marienverehrer auf der ganzen Welt glauben, dass Personen und Orte einen besonderen Schutz Mariens genießen, die sich ihrem Unbefleckten Herzen weihen, wie es an jenem 4. Oktober auch in Dorfen geschah.
Nach der bewegenden Predigt Martin Ringhofs und dem ebenso feierlichen Auszug versammelten sich die Kirchgänger mit Kerzen, um gemeinsam von der Pfarrkirche zur Mariensäule Dorfens zu pilgern. Bei weitem waren nicht nur Dorfener anwesend: es kamen Menschen aus Freising, Langenpreising, Haag und mehreren anderen Orten. Fahnenabordnungen der Marianischen Männerkongregation kamen aus Isen, Lengdorf, Schwindkirchen, Haag, Oberndorf, Albaching und Inning am Holz.
Die Prozession, allen voran die Ministranten, gefolgt von den Fahnenträgern und der Marienstatue nach dem Abbild, wie sie in Fatima erschienen ist, dahinter die restliche Gemeinde, wurde von stimmungsvollen Marienliedern, angestimmt von Rudi Koller, begleitet. Angekommen am Platz vor der Dorfener Mariensäule weihte Dekan Martin Ringhof die Stadt und den Pfarrverband Dorfen/Oberdorfen feierlich dem Unbefleckten Herzen Mariens. Bürgermeister Claudius Siebert hielt im Anschluss eine Ansprache. Er sah die Veranstaltung als „Erbe der Stadt Dorfen“, war doch die Dorfener Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt im 17./18. Jahrhundert ein sehr bedeutender Marienwallfahrtsort, welches einige verbliebene Votivtafeln heute noch bezeugen. So bezeichnete der Bürgermeister Dorfen als „einen besonderen Ort“, der es wert sei, geschützt zu werden. Er erklärte sich bereit, „unsere Tradition und Dorfen zu unterstützen“. Als nächstes sprach Stefan Teplan, Obmann der MC Dorfen, allen Helfern noch ausdrücklichen Dank aus und stellte klar, dass die Erscheinungen Fatimas nicht unbedingt dystopisch gesehen werden müssen, da die Muttergottes ebenso in Fatima ebenso ankündigt hatte, dass am Ende ihr Unbeflecktes Herz triumphieren werde. Ein eindrucksvoller und ereignisreicher Tag in und für Dorfen, das sich nun unter ganz besonderem mütterlichen Schutz sehen darf.
Die Marienweihe klang aus mit Einzelsegnungen mit den Reliquien von Franziskus von Assisi, Edith Stein und zweien der Seherkinder von Fatima, Jacinta und Francesco Marto. Drei Geistliche nahmen diese Segnungen vor; der Andrang dabei war so groß, dass dieser ereignisreiche Tag für Dorfen erst gegen 21.30 Uhr zu Ende ging.
Annabella Kamolz
Pfarrgemeinderätin Oberdorfen