Ich bin’s wieder, Eure Fanny.
Heute bin ich ganz herbstlich gestimmt, schön ist mein bunter Blätterhalskranz, findet Ihr nicht auch?
Ein bisserl komme ich mir vor, wie auf einem alten Gemälde. Der Herbst hat ja im Lauf der Geschichte viele Künstler beeinflusst. Ganz bekannt ist etwa der Renaissance-Maler Giuseppe Arcimboldo, Ihr kennt in gewiss.
Der setzte die Köpfe und Gesichter seiner witzigen Porträtbilder stets aus Früchten und Blättern zusammen. Bekannt ist sein Jahreszeiten-Zyklus aus der Zeit um 1572/73, in dem Frühling, Sommer, Herbst und Winter als menschliche Allegorien dargestellt sind. Beim Herbst bildet eine Birne die Nase, ein Apfel die Wange und eine geöffnete Kastanie den Mund, das Haar besteht aus Weintrauben und Weinlaub, der Bart aus Getreideähren. Die Schulter und Brust des Mannes stecken in einem alten Weinfass, das von Weidenruten zusammengehalten wird. Das schaut lustig aus. Gut, bei meinem Foto müsste ich noch ein paar Früchte hinzufügen, aber ein Anfang ist mit meiner Blätterkette ja schon mal gemacht.
Der Herbst steht in Kunst und Literatur oft symbolisch für den reifen und erfahrenen Menschen und die Ernte, nach einem hoffentlich gelungenen Leben. Ja, und da werde ich schon etwas melancholisch, weil ich ja auch nicht mehr der junge Hund von ehedem bin, sonders schon ein paar Jährchen hier im Pfarrbüro verbracht habe. So manchen aus dem Seelsorge-Team habe ich kommen und gehen gesehen, und etliche aus unserer Gemeinde, die früher oft an unser Pfortenfenster kamen, sind bereits gestorben, wuff.
Und wenn ich die bunten Blätter von den Bäumen fallen sehe, denke ich, ob auch ich einmal so etwas wie eine Ernte vorweisen werde können. Und dann denke ich mir wieder, ich bin wie ich bin, und gerade, weil ich so bin, wie ich bin, haben viele Menschen an mir ihre Freude. Und das, glaube ich, ist für einen Hund doch gar nicht so schlecht. Der liebe Gott hat das schon gut eingerichtet.
Ach, ich glaube, ich brauche mir gar nicht so viele schwere Gedanken zu machen. Lieber gehe ich mal kurz raus und springe in den Laubhaufen im Pfarrgarten. Das wird den Mesner mit seinem Laubbläser sicherlich freuen, jauuul.
Herzlichst, Eure Fanny!