Willkommen im PV Teisendorf - Pfarrei St. Andreas Teisendorf

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Peter Dufter
Peter Dufter belegt seinen Vortrag mit umfangreichen Studien

Nachhaltige Ernährung fängt auf jeder Wiese an

Nachdem Peter Dufter vor zwei Jahren in seinem Vortrag „Ist die Kuh wirklich ein Klimakiller“ zur Ehrenrettung der heimischen Milchkuh beigetragen hat, führte er im Folgevortrag in der vergangenen Woche aus, wie Graslandnutzung durch Wiederkäuer einen Beitrag zur Sicherung der Welternährung leisten kann. Wie sie zum Erhalt wichtiger Ökosysteme beitragen und ein Baustein zur CO2-Senkung sein kann.
Dufter ist pensionierter Landwirtschaftsdirektor und war zuletzt 24 Jahre Lehrer mit Schwerpunkt Tierhaltung an der Landwirtschaftsschule Traunstein. Seit seiner Pensionierung ist er gefragter Referent zum Themenbereich Kuh und Klimaerwärmung aus Sicht der UN-Nachhaltigkeitsziele.
Dufter begann seinen Vortrag im Pfarrheim Teisendorf - der mit knapp 40 interessierten Zuhörern gefüllt war - mit einer Reaktion des Ehrenvorsitzende des Bund Naturschutz Prof. Dr. Hubert Weiger auf einen Beschluss der Jugendorganisation BUND Naturschutz von 2023. Dort wurde beschlossen, dass die Verpflegung bei allen Veranstaltungen auf Landesebene schrittweise auf vollständig vegan umgestellt werden soll. Weiger lehnt Veganismus als alleiniges Leitbild ab. Er argumentiert, dass weidende Wiederkäuer (wie Rinder) für den Erhalt von Grünland und der Artenvielfalt essenziell sind. Deshalb mischte er sich in die Diskussion um den Antrag ein.
Dieser Aussage schließt sich Dufter an und erklärte im weiteren Verlauf die positiven Effekte der heimischen Grünlandwirtschaft auf Umwelt und Ernährungssicherung. Wiederholt weist er darauf hin, dass gerade auch die Almwirtschaft einen wichtigen Beitrag zur Biodiversität leistet und Basis für den Tourismus im Alpenraum ist.
Weltweit sind 70% der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche Grasland, nur ein geringer Teil davon ist ackerfähig. Das Gras ist für den menschlichen Verzehr ungeeignet. Nur Wiederkäuer – wie Kühe, Schafe und Ziegen – können mit Hilfe des Pansens diese Rohfasern verdauen. Wiederkäuer veredeln Gras in hochwertige, für den Menschen nutzbare Lebensmittel.
Dufter folgert daraus, dass Kühe auf Grünland im Hinblick auf die künftige Ernährung der Weltbevölkerung unverzichtbar sind.
Aber wie sieht es mit dem oft gehörten Argument aus, dass Kühe schädliches Methan „ausrülpsen“ und damit zur Verstärkung des Treibhauseffekts beitragen? Hier verweist Dufter auf die UN-Nachhaltigkeitsziele. Demnach gibt es einen Zielkonflikt zwischen Welternährung und Klimaerwärmung. Und spezialisierte Forscher für den Bereich Nachhaltigkeit fordern deshalb für die Zukunft Nutztiersysteme mit hohem Potential zur Verwertung nichtessbarere Biomasse. Hinsichtlich dieser Anforderung für die Zukunft sind Wiederkäuer klar im Vorteil. Und die Grünlandkuh ist dabei unschlagbar und somit ein Teil der Lösung dieses Zielkonflikts.
Folie aus dem Vortrag von Peter Dufter
Grünlandhaltung führt zu verstärkter Humusbildung und darin wird Kohlenstoff gespeichert. Landläufig gilt der Waldboden als idealer Kohlenstoffspeicher. Dufter erklärt, dass das Dauergrünland eine höhere Bindekraft als der Waldboden hat. So sind unter Dauergrünland in Deutschland im Mittel über 180 kg organischer Kohlenstoff je Hektar gespeichert, und damit wesentlich mehr als unter Waldböden und unter Ackerböden. Allerdings muss er einräumen, dass es in diesem Bereich noch viel zu wenig Studien gibt. Speziell zur Bildung von Dauerhumus und damit zur nachhaltigen Fixierung von CO2 im Boden sind viele Mechanismen und Wechselwirkungen noch nicht erforscht sind. Gesichert ist aber, dass der Kuhfladen eine Quelle für Vielfalt und Biodiversität ist. Ca. 500 Insektenarten in Mitteleuropa leben im/am/vom Fladen und sind wiederum Nahrungsgrundlage für viele andere Tiere. So entstehen aus 1000 kg Kuhfladen bis zu 100 kg Insekten, und diese bieten wiederum Nahrung für bis zu 10 kg Vögel, Fledermäuse und Zauneidechsen.
In letzter Zeit liest man aber häufig vom immensen Wasserverbrauch in der Viehzucht. Eine dieser Zahlen greift Dufter speziell heraus. Für die Produktion von 1 kg Rindfleisch werden angeblich 15000 Liter Wasser verbraucht. Hier verweist Dufter auf seine langjährige Erfahrung in der Viehzucht und dass dieser Wert einer Interpretation bedarf. Die Autoren verwenden den Begriff des „Virtuellen Wassers“. Ein Teil davon ist das „Grüne Wasser“. Das sind Niederschläge, die auf das Weideland fallen und natürliche Bodenfeuchte – Wasser, das nicht verbraucht, sondern im natürlichen Kreislauf bleibt. Mit knapp 94 Prozent ist der weitaus größte Teil dieses irrwitzig hoch erscheinenden Wertes grünes Wasser, das nicht wirklich verbraucht wird.
Im weiteren Vortrag ging Dufter auf die biologische Wertigkeit, Effizienz und nachhaltige Ernährung ein. Bei der Beurteilung von Lebensmitteln ist immer deren Wertigkeit für die Ernährung zu berücksichtigen. Neben den Kohlenhydraten und Fetten rücken immer mehr auch die Essenziellen Aminosäuren ins Blickfeld. Die Ernährungswissenschaftler setzen hier stark auf den DIAAS Wert (ersetzt künftig die biologische Wertigkeit). Hierbei nimmt die Kuhmilch einen Spitzenwert ein. Bei der Öko-Grünlandkuh fallen je kg Milch zwischen 18 und 30 g Rindfleisch an. Aus ernährungsökologischer Sicht macht es deshalb keinen Sinn auf den Fleischgenuss komplett zu verzichten. Je Liter Kuh-Milch sollten ca. 25 g Rindfleisch konsumiert werden. Damit unsere Bauern auch in Zukunft die Pflege und Erhaltung der Kulturlandschaft aufrechterhalten können, brauchen wir neben dem Absatz von heimischen Milchprodukten und Milch auch einen Absatz für heimisches Rindfleisch, auch wenn dieses etwas teurer ist.
Dufter empfiehlt schon beim Einkauf nachhaltig zu denken. Lebensmittelverschwendung zu vermeiden, Reste zu verwerten und das ganze Tier zu verarbeiten. Er fasst es unter dem Slogan „from nose to tail“ (von der Nase bis zum Schwanz) zusammen. Viele unserer bayerischen „Schmankerl“ verwerten gerade auch die weniger edlen Fleischteile.
Im Anschluss an den Vortrag entwickelte sich noch eine lebhafte Diskussion, die in einer nahen Gastwirtschaft weitergeführt wurde.
Wer den Vortrag in Teisendorf versäumt hat, hat noch einmal die Möglichkeit Peter Dufter am 30. März um 19:00 Uhr im Festsaal Bergen zu hören. Veranstalter dieses Abends ist der Verein Ökomodell Achental.
Peter Dufter
Peter Dufter versteht es den Zuhörern komplexe Sachverhalte anschaulich und mit viel persönlichem Engagement zu vermitteln.