Eine der schönsten Ostergeschichten ist für mich der Weg der Jünger nach Emmaus. Der Evangelist Lukas hat sie uns geschrieben oder vielleicht sagt man besser „gemalt“. Der Legende nach war Lukas ein Maler und das passt gut zu der Art, wie er die Geschichten von Jesus und seinen Jüngern erzählt. Lukas malt Bilder aus Worten – Sprachbilder.
Es ist der dritte Tag nach der Kreuzigung. Zwei enttäuschte, entmutigte Jünger machen sich auf den Weg von Jerusalem nach Emmaus, als sich plötzlich der auferstandene Jesus zu ihnen gesellt. Sie unterhalten sich angeregt mit ihm über die Heilige Schrift, erkennen ihn aber den ganzen Tag lang nicht, bis ihnen abends beim Brotbrechen endlich die Augen aufgehen. Dann wird ihnen klar, wer da mitgegangen ist und dass dieser ganze Tag der Ostertag, der Auferstehungstag war.
Jünger mit Jesus unterwegs – im Reden, Nachdenken, Zweifeln, Hoffen, ohne die endgültige Gewissheit und die Lösung aller Rätsel schon zu besitzen. Ich denke, damit will Lukas ganz bewusst ein zeitübergreifendes Bild für die Jünger Jesu – und für uns – malen.
Wir hätten gerne mehr Klarheit und Sicherheit im Wissen, wie es mit der Welt und mit unserer Kirche weitergeht. Das Durcheinander in unserer Welt scheint ja immer größer zu werden und manche sehnen sich zurück nach den Gewissheiten früherer Zeiten (die es nie gab). Jesus geht mit uns. Unser Fragen, Hoffen und Zweifeln geht nicht ins Leere, sondern findet bei ihm ein Gegenüber und ein Ziel.
Aber einstweilen sind wir unterwegs durch eine komplizierte Welt und brauchen genug Hoffnung für die nächsten Schritte. Lukas malt uns dazu das österliche Hoffnungsbild von den Emmausjüngern.
Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Ostern und den Mut und die Geduld zum Unterwegs bleiben!
Ihr Pfarrer Martin Joseph