Prangertag, das war früher in Altbayern einer der Namen für den Fronleichnamstag. Der Name kam von „prangen“- „Glanz entfalten“ und so wurde der Inhalt des Fonleichnamsfestes auch verstanden: Mit möglichst viel Glanz und Gloria den Glauben in aller Öffentlichkeit feiern.
Heute ist diese Form des Glaubenslebens weniger in Mode. Ich denke, das liegt nicht nur an der allgemeinen Glaubens- und Kirchenkritik, sondern hat auch etwas damit zu tun, wie wir generell Glauben verstehen: Glaube ist für viele etwas ganz Privates und Innerliches und sie tun sich schwer, dieses Innerliche mit äußeren Formen in Einklang zu bringen. Das passt auch zu unserem Glauben. Unser Gott liebt uns nicht als nur glaubende Masse, sondern er liebt und ruft jeden Einzelnen als Person mit seinen Eigenheiten, seiner Geschichte und auch mit seinen Schwächen. Deshalb muss ein echter Glaube etwas Persönliches und Innerliches sein.
Aber ich denke, das ist nur die halbe Wahrheit. Als Mensch bin ich immer außen und innen zugleich. Die Innenwelt meiner Seele formt sich gerade im Austausch mit anderen Menschen - im gemeinsam reden, arbeiten, feiern und auch trauern. Nur wenn außen und innen das rechte Gleichgewicht finden, lebe ich als Mensch wirklich gesund.
Mit dem Glauben ist es ähnlich. Er braucht auch das miteinander feiern, singen und beten, damit er nicht verdunstet. Wenn das innere Glauben nicht mehr an einem äußeren gemeinschaftlichen Erleben andocken kann, verliert es an Lebendigkeit. Innerliches Glauben, gemeinsames Glauben feiern sind wie die beiden Füße, auf denen ich stehe: Auf einem Bein kann ich eine Weile stehen, aber dann wird es instabil.
So lade ich Sie ganz herzlich ein, die Fronleichnamsfeste mit uns zu feiern. Am Fronleichnamstag (Donnerstag 4.6.) um 9:00 Uhr in Maria Himmelfahrt und am Sonntag darauf (7.6.) um 9:30 in St. Martin.
Ich wünsche Ihnen allen einen guten Juni!
Ihr Pfarrer Martin Joseph