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Pfarrverband Erdweg

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Rückblick auf die Besinnungstage 2026 „Maria Magdalena - Apostola Apostolorum“

Ikone mit rotem Ei
Die diesjährigen Besinnungstage fanden am 13. und 14. März 2026 im Pfarrzentrum statt und standen ganz im Zeichen einer faszinierenden und oft missverstandenen biblischen Gestalt: Maria Magdalena.
Anlass für die Themenwahl war der 10. Jahrestag der offiziellen Ernennung Maria Magdalenas zur „Apostelin der Apostel“ durch Papst Franziskus - ein Meilenstein, der ihren besonderen Platz in der frühen Kirche würdigt.

Start war am Freitagabend um 19.30 Uhr mit dem Filmvortrag „Maria Magdalena“, der bereits viele Denkanstöße bot und die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf das Thema einstimmte.

Am Samstag wurde die Veranstaltung ab 09:30 Uhr fortgesetzt und endete gegen 16:30 Uhr.
Als Referentin durften wir Gemeindereferentin Irmi Huber begrüßen, zuständig für die Frauenseelsorge in der Erzdiözese München-Freising und Koordinatorin der Veranstaltungen des Erzbistums zur 10-Jahres-Feier.
Mit großer Fachkenntnis und spürbarer Leidenschaft führte sie durch den Tag. Sie eröffnete uns neue Perspektiven auf Maria Magdalena – als Jüngerin Jesu, als Zeugin der Auferstehung und als starke Frau, deren Bedeutung über Jahrhunderte hinweg durch eine männerdominierte Kirche verzerrt und kleingeredet wurde.
Neben den Hauptamtlichen nahmen nur wenige Ehrenamtliche teil. Das ist wirklich schade – denn wer nicht dabei war, hat eine Fülle an faszinierenden Informationen, überraschenden Geschichten und tiefen Einsichten zu Maria Magdalena versäumt - Dinge, die kaum jemand weiß.
Wer weiß denn schon,
  • dass Maria Magdalena seit 2016 ein eigenes Fest hat (am 2.Juli) – liturgisch auf derselben Stufe wie die Apostel?
  • dass sie die erste Zeugin der Auferstehung war? In allen Evangelien ist sie diejenige, die den Auferstandenen zuerst sieht und den Jüngern die Botschaft bringt – daher der Titel „Apostelin der Apostel“.
  • dass ihr Beiname „Magdalena“ „Maria, der Turm“ bedeutet – ein Titel, der ihre Stärke und Standhaftigkeit ausdrückt, wie „Petrus, der Fels“?
  • dass sie in frühen christlichen Gemeinden hoch verehrt wurde und in den orthodoxen Kirchen bis heute eine besondere Verehrung genießt? Einige apokryphe Texte zeigen sie als besonders vertraute Gesprächspartnerin Jesu – ein Hinweis auf ihre herausragende Stellung.
  • dass sie keine Prostituierte war, sondern diese Fehlzuschreibung erst im 6. Jahrhundert durch eine Predigtreihe von Papst Gregor dem Großen entstand? Die Bibel selbst sagt das nicht. Moderne Forschung und kirchliche Lehre haben diese Verwechslung längst korrigiert.
  • Warum Maria Magdalena oft mit einem roten Ei dargestellt wird? Eine alte Legende erzählt, dass sie nach der Auferstehung vor Kaiser Tiberius bezeugte: „Christus ist auferstanden.“ Der Kaiser soll geantwortet haben, das sei so unwahrscheinlich wie ein weißes Ei, das sich rot färbt – woraufhin sich das Ei in ihrer Hand tatsächlich rot gefärbt habe. Seitdem gilt das rote Ei als ihr Symbol.
Unser kleiner Kreis der TeilnehmerInnen
Diese und viele weitere Einsichten machten die Besinnungstage zu einer wahren Entdeckungsreise. Die Beschäftigung mit Maria Magdalena führte uns auch zu grundlegenden Fragen über die Rolle von Frauen in der Kirche – damals wie heute.
Maria Magdalena handelte, als andere noch zögerten – und gerade dadurch wurde sie zur ersten Zeugin der Auferstehung. Ihr Vertrauen und ihr Drängen gaben den Männern um Jesus den entscheidenden Anstoß. Es ist wohl kein Zufall, dass auch heute häufig Frauen diejenigen sind, die Glauben, Hoffnung und Mut neu entfachen.
Die Besinnungstage haben uns gezeigt, wie bereichernd es ist, sich gemeinsam auf Spurensuche zu begeben und bekannte Figuren des Glaubens neu zu entdecken. Maria Magdalena bleibt eine Gestalt, die Mut macht und uns einlädt, Kirche immer wieder neu zu denken.
Wir hoffen sehr, im kommenden Jahr wieder mehr Teilnehmerinnen und Teilnehmer begrüßen zu können – denn solche Tage leben davon, dass wir gemeinsam entdecken, hinterfragen und unseren Glauben vertiefen.

Text: Andrea Riepl
Bilder: privat