Pfarrverband Isen

Bischof-Josef-Str. 8, 84424 Isen, Telefon: 08083-8181, E-Mail: St-Zeno.Isen@ebmuc.de

Die Geschichte der Pfarrei Isen

Stich von Merian um 1640
Stich von Merian um 1640
Der Beginn der Isener Pfarrgeschichte ist nicht mehr exakt zu ermitteln. Früheste christliche Spuren in unserer Gegend stammen aus dem ersten Jahrtausend:

  • das Patrozinium des hl. Laurentius in Weiher verweist in die Römerzeit vor 400n.Chr.
  • um 747 wurde in Isen eine „domus sancti Zenonis“ („Haus des hl. Zeno“) mit Vermögen und Grundstücken bedacht. Dieses „Zenohaus“ war die Grundlage für ein Benediktinerkloster, das während der Ungarneinfälle im 9. Jahrhundert zugrunde ging und 1025 als Kollegiatsstift wieder errichtet wurde.
Einerseits waren Benediktinermönche ursprünglich meist keine Priester und durften auch keine Funktion als Pfarrer ausüben, andererseits ist es undenkbar, dass die Isener Mönche keine Pfarrseelsorge betrieben.

  • von 1025 an unterstand das Kollegiatsstift vollständig dem Bischof von Freising. Dieser setzte in Isen einen Weltpriester als Pfarrer ein („plebanus“). Der letzte vom Freisinger Bischof eingesetzte Weltpriester war ein „Hainricus“, der um 1228 erscheint.
  • Seit 1228 hatte das Kollegiatsstift Isen, das eine Art Priester-Wohngemeinschaft darstellt, das Pfarrvikariat über Isen inne.

Obwohl die Pfarrer von Isen seit 1228 aus den Reihen der Isener Kollegiatsherren stammten, war die Kollegiatskirche St. Zeno nicht die Pfarrkirche. Diese Funktion hatte die Allerseelenkirche.

  • Die Allerseelenkirche ist auf dem Stich von Merian (um 1650) als gotische Kirche dargestellt. Daraus kann man schließen, dass der Bau etwa zu der Zeit erbaut wurde, als die Kollegiatsherren die Pfarrei Isen übernahmen. Ob dabei eine frühere Kirche überbaut wurde, ist nicht mehr festzustellen.
  • Die Allerseelenkirche war bis 1803 die Pfarrkirche für Isen. Die Isener
    Kollegiatsherren betreuten außerdem die inkorporierten Pfarreien Schwindau (seit 1356), Walpertskirchen (1358), Burgrain-Mittbach (1458), Lengdorf (1738), außerdem die Kirchen in Innerbittlbach (seit 758), Weiher (825) und Schnaupping (1226).

Nach der Säkularisation 1802/03 wurde das Kollegiatsstift Isen aufgehoben. Seelsorge galt von nun an als Dienstleistung, die nach ökonomischen Gesichtspunkten stattzufinden hatte. Aus diesem Grunde wurden die Allerseelen- und die Johanniskirche abgerissen, Die St. Zeno-Kirche blieb für beinahe 20 Jahre verschlossen und wurde dann Pfarrkirche der Pfarrei Isen. Seitdem betreuten zwölf Pfarrer unser Pfarrgebiet: Johann Hibler, Caspar Lex, Josef Schmid, Sebastian Böhm, Johann Mutzl, Karl Zerrar, Georg Haberstock, Josef Koller, Josef Sammereyer, Johannes Neubauer, Robert Hlawitschka und seit 2006 Josef Kriechbaumer.

  • Infolge des Priestermangels wurde 1980 der Pfarrverband mit der
    Nachbarpfarrei Lengdorf gegründet, 1995 geschah dasselbe mit der Pfarrei Pemmering.
  • Unabhängig von der Pfarrgeschichte existierte von 1284 bis 1803 eine Herrschaft Burgrain, durch die der Freisinger Bischof seine weltlichen Ansprüche durchsetzte.
Reinold Härtel


Die Anfänge des Pfarrgemeinderats Isen
Wie doch die Zeit vergeht! Seit mittlerweile schon fast 60 Jahren gibt es in Deutschland Pfarrgemeinderäte, so auch in Isen. Damals gab es in unserer Region noch das Dekanat Isen und Dekan war sogar der Isener Pfarrer Johannes Neubauer. Unterstützt wurde er von Kaplan Johann Zimmermann. Am 12. Juni 1968 fand die erste Sitzung des Pfarrgemeinderats mit folgenden Mitgliedern statt: Konrad Bauer (Organist), Reiner Foh, Anneliese Liebhardt, Wilhelmine Christof, Amalie Leierer, Josef Feuerer, Josef Baumgartner, Josef Bauer, Josef Sperr, Peter Wenhardt und Konrad Kesenheimer. Letzterer wurde zum Vorsitzenden gewählt. Diese Zeit war sehr stark von einem Aufbruch geprägt - ausgehend vom 2. Vatikanischen Konzil. Dieses hatte den Blick wieder hin zu den Gemeinden gerichtet und betont, dass alle Kirche sind – Frauen, Männer, Jung und Alt.

Der Ablauf des Gottesdienstes wurde neu gestaltet. Es gab eine Liturgiereform. Lateinische Texte wurden durch verständliche deutsche Texte ersetzt, der Pfarrer predigte nicht mehr von der Kanzel – also von „oben herab“, sondern vom Ambo aus und der Dienst der Lektoren und Kommunionhelfer wurde eingeführt. Die ersten Lektoren waren Sepp Sperr, Konrad Kesenheimer und Anton Rumpfinger. Für die Ausbildung zum Kommunionhelfer fuhr Konrad Kesenheimer zu Weihbischof Tewes nach München und erhielt im April 1968 die Erlaubnis zur Kommunionausteilung. Wenig später folgten Georg Wörthmüller und Josef Sperr. Die Kommunionausteilung durch Laien war bei vielen Kirchenbesuchern zunächst sehr umstritten, da die gesamte Liturgie bisher auf die Rolle des Priesters zentriert war. Schritt für Schritt entdeckte man nun neue Aufgabenfelder.

Der Pfarrgemeinderat machte sich dazu viele Gedanken und bildete folgende Ausschüsse: Jugend/Schule/Erziehung, Mission, soziale und caritative Aufgaben, Ehe und Familie und außerdem Liturgie. Die Betreuung der Jugend oblag Kaplan Zimmermann. Unter einem sogenannten „Wohnviertelapostolat“ verstand man damals, dass jedes Pfarrgemeinderatsmitglied ein waches Ohr für die Not in seinem Umkreis hat.

Zu Unstimmigkeiten zwischen Pfarrgemeinderat und Pfarrer Neubauer kam es 1969 als es um eine Vergrößerung bzw. Neubau des Kindergartens ging - damals als „Kinderbewahranstalt“ bezeichnet. Der alte Kindergarten an der Schulstraße (jetzt Volksbank Gebäude) wurde zu klein. Die Mehrheit im Pfarrgemeinderat plädierte für einen Neubau an der alten Stelle, Pfarrer Neubauer wollte den Neubau jedoch südlich der neuen Schule auf dem Anzenberger Grund und er bekam „natürlich“ Recht. Die „Kinderbewahranstalt“ wurde bis 1969 von drei  Schwestern vom Kloster Maria Stern geleitet die aber 1969 vom Mutterhaus abberufen wurden. Um den Kindergartenbetrieb zu erhalten, stellte die Marktgemeinde Isen eine Kindergärtnerin ein. Über 4 Jahre dauerten die Planungen für den neuen Kindergarten und waren immer wieder Thema im Pfarrgemeinderat. Die ersten Diskussionen zum Neubau eines Pfarrheimes entstanden 1970. Die Fragen nach der Notwendigkeit eines Pfarrsaales und einer Wohnung für Hausmeister oder einem Jugendpfleger wurden diskutiert. Man erkannte bereits damals, dass künftig die Kapläne keine Zeit mehr für die Jugendarbeit haben würden.

Am 21. März 1971 wurde der Pfarrgemeinderat neu gewählt. 33 Kandidaten stellten sich zur Verfügung, 12 davon wurden nicht zugelassen, weil sie ihre „Einwilligungserklärung als Kandidat“ nicht rechtzeitig abgegeben hatten. Welche Kuriosität! Zum Vorsitzenden im neuen Pfarrgemeinderat  wurde Oberforstmeister Franz Promberger gewählt. Der Pfarrgemeinderat erstellte sogar eine Geschäftsordnung, Sitzungen waren in der Regel nicht öffentlich und fanden im Nebenzimmer vom Gasthaus Klement statt. Im Mai 1971 veröffentlichte ein Redaktionsteam des Pfarrgemeinderats zum ersten Mal ein Pfarrblatt mit dem Namen „prisma“. Unter der provokanten Überschrift „Wird die Fronleichnamsprozession in Isen abgeschafft?“ setzte sich der Pfarrgemeinderat mit der Neugestaltung von Fronleichnam in einer würdigeren Form auseinander. Fronleichnam sollte ohne Umzug aber mit einer Eucharistiefeier bei der nahegelegenen Schule stattfinden. Beim bisherigen Fronleichnamszug gab es nämlich ein großes Durcheinander bei Gebeten und der Zugordnung. Die Absicht der Umgestaltung war, dass mit Hilfe von Lautsprechern die Teilnehmer das Gesprochene und den Gesang besser verstehen könnten. Jedoch waren die Vereine mit der Neugestaltung nicht einverstanden und boykottierten Fronleichnam. Ein Jahr später fand Fronleichnam wieder wie gewohnt mit einer Prozession und vier Altären statt.

Bild_Titelseite_Pfarrbrief_prisma
Titelseite der 1. Ausgabe von „prisma“
In der folgenden Zeit wurden zehn Ausgaben von „prisma“ veröffentlicht, Inhalte der Pfarrbriefe waren z.B. die Einführung einer Kindermesse und einer Bußfeier (als zusätzliche Möglichkeit der bis dahin alleinigen Ohrenbeichte), Altennachmittage, Aufgaben eines Elternbeirats für die Schule und Fortbildungen für Jugendliche. Wie viel Herzblut doch damals investiert wurde!
Ab 1973 wurde die Vorbereitung auf die Firmung nicht mehr verpflichtend im Religionsunterricht  der Schule durchgeführt. Die Firmung war nun freiwillig, fand außerhalb der Schule statt und die Vorbereitung wurde durch engagierte Gemeindemitglieder durchgeführt. Auch die Vorbereitung  auf die Erstkommunion traute man nun endlich den Eltern zu. Der Pfarrgemeinderat war überaus aktiv und gründete den sogenannten Familienkreis in dem offen über Fragen der Erziehung, des familiären Miteinanders und über aktuelle Themen gesprochen wurde.

Nachdem durch die Gebietsreform zum 1. Juli 1972 die Landkreise in Bayern neu geordnet wurden, veränderte auch die Kirche die Grenzen der Dekanate zum 1. Januar 1973. Das bisherige Dekanat Isen mit den Pfarreien Anzing, Buch am Buchrain, Finsing, Forstern-Tading, Forstinning, Gelting, Hohenlinden, Isen, Markt Schwaben, Ottenhofen, Pastetten, Pemmering und Poing wurde aufgelöst. Ursprünglich war geplant, dass Isen mit Pemmering und St. Wolfgang einen Pfarrverband bilden und zum Dekanat Wasserburg kommen sollte. Letztendlich wurde die Pfarrei Isen aber dem Dekanat Dorfen zugeordnet mit Pfarrer Georg Hackl aus St. Wolfgang als Dekan.

Bei den Pfarrgemeinderatswahlen im März 1974 wurde Willy Mittermaier erstmals zum Vorsitzenden gewählt und er blieb es 16 Jahre lang. Nach über 3-jähriger Planung wurde 1974 nun endlich der Kindergarten zusammen mit dem Pfarrheim südlich der Schule auf dem Anzenberger Grundstück gebaut. Möglich wurde dies durch einen Grundstückstausch zwischen Anzenberger Grund und dem Kirchengrund auf dem der alte Kindergarten bisher stand. Der Pfarrgemeinderat konnte von nun an im Pfarrheim tagen. Pfarrer Neubauer, der die Veränderungen in der Kirche mit Offenheit und Wohlwollen begleitete, starb im April 1977. Damals wurden die Weichen für ein engagiertes und wertschätzendes Miteinander gestellt.
 
Der Pfarrgemeinderat Isen hatte seither folgende Vorsitzende: Martin Mayr, Franz Banke, Marianne Brucker, Franz Fischer, Manfred Rumpfinger, Irmgard Hibler und Balthasar Nußrainer.

Heute sind die vielfältig engagierten Ehrenamtlichen und damit auch die Pfarrgemeinderäte aus dem kirchlichen Leben nicht mehr wegzudenken. Sie gestalten das Leben in der Pfarrei aktiv mit und wirken damit auch in die Gesellschaft hinein. Ohne Ehrenamtliche würde vieles, was uns im Leben der Pfarrei lieb und wert ist, nicht funktionieren oder vielleicht gar nicht existieren.
Die Informationen zu diesem Artikel stammen von Konrad Kesenheimer, der mir dankenswerterweise drei Ordner voll mit seinen Unterlagen zur Verfügung gestellt hat. Eine wahre Fundgrube! Zum Schluss möchte ich meine Anerkennung und großen Respekt den Pfarrgemeinderäten der ersten Stunde ausdrücken, allen voran Konrad Kesenheimer, einem Pionier der kirchlichen Laienarbeit.

Alle vier Jahre wird der Pfarrgemeinderat neu gewählt, so auch dieses Jahr. Wir freuen uns auf eine rege Wahlbeteiligung am  28. Februar und 1. März und über Ihr Interesse an der Arbeit des Pfarrgemeinderates.

Balthasar Nußrainer