Früher kamen die Glockengießer als Gäste in die jeweiligen Ortschaften und blieben dort über Monate, um die Glocken vor Ort zu gießen – in der heutigen Zeit fuhr am 24. April 2026 eine große Gruppe Interessierter zur ältesten Glockengießerei Europas in Familienbesitz: der Firma Rincker in Sinn bei Gießen. Früh morgens, noch vor 07:00 Uhr, trafen sich 38 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus den Pfarrverbänden Massenhausen und Kranzberg unter geistlicher Leitung von Pfarrer Erber, um die rund 450 km lange Busfahrt anzutreten und pünktlich um 14:00 Uhr vor Ort zu sein. Wie Pfarrer Erber bei seiner Begrüßung treffend sagte: „Das ist auch für mich ein besonderes Erlebnis – an dem ich das erste und wahrscheinlich einzige Mal teilnehmen kann.“
Während der für den Busfahrer vorgeschriebenen Pause auf einem Autohof konnten alle Teilnehmer die von vielen fleißigen Helferinnen und Helfern vorbereiteten Leckereien genießen – herzlichen Dank dafür! Mehr als pünktlich erreichte man die Firma Rincker in Hessen-Nassau, sodass die Teilnehmer vorab noch die Gelegenheit hatten, im Hofverkauf das eine oder andere Souvenir aus Bronze zu erwerben – insbesondere kleine Glocken für das eigene Zuhause. Der Beginn des Glockengusses verzögerte sich dann um eine halbe Stunde, da noch einmal nachgeheizt werden musste, um die erforderliche Ofentemperatur von rund 1.200 Grad Celsius zu erreichen.
Dann war es so weit: Nach dem gemeinsamen Singen des Chorals „Lobet und preiset, ihr Völker, den Herrn“ unter Leitung unserer Chorleiterin Alexandra Karl wurden alle möglichst spät in die archaisch wirkende Gusshalle gerufen – denn die Hitze kann trotz der hohen Hallendecke für die Besucher sehr belastend sein. An diesem Nachmittag wurden nach wochenlanger Modellarbeit zwei Glocken gegossen: neben unserer Glocke auch eine wesentlich größere für die Kathedrale in Riga, der Hauptstadt Lettlands.
Das eingespielte Guss-Team aus acht Männern in Schutzanzügen, unter Leitung des jetzigen Meisters aus der Familie Rincker, begann mit den finalen Vorbereitungen. Pfarrer Erber sprach ein kurzes Gebet und verteilte nach dem Segen reichlich Weihwasser in der Halle. Dann ging es endgültig los: Die notwendige Stille kehrte ein, jeder Handgriff saß – und nach wenigen Minuten floss die heiße Bronzemasse (eine Kupfer-Zinn-Legierung) über eine Rinne in die Grube, wo die Modelle der beiden Glocken in gestampfter Tonerde eingebettet waren. Nach etwa zehn Minuten war es geschafft: Der Meister war zufrieden, offensichtlich hatte alles geklappt, und die Spannung fiel spürbar ab.
Im Anschluss erläuterten die beiden Rincker-Brüder zunächst die technischen Anforderungen des Gussvorgangs und dann die jahrhundertelange Geschichte der Glockenherstellung – wahrlich ein traditionelles Kunsthandwerk
Danach musste zügig die Heimfahrt angetreten werden. Unter dem Eindruck der Erlebnisse gab es viel zu erzählen, mit den eigenen Handys aufgenommene Fotos und Videos wurden angesehen und ausgetauscht. An dieser Stelle nochmals der Hinweis: Der gesamte Prozess bis zum glücklichen Abschluss – wenn unsere Glocke im Kirchturm hängt und zum ersten Mal läutet – wird vom Profi-Fotografen Chris Erlewein begleitet und in einem Fotobuch festgehalten, ebenso wird es einen Videofilm im Anschluss geben.
Nach einem ausgezeichneten Abendessen mit Volkacher Spargel und anderen unterfränkischen Köstlichkeiten in einer Ortschaft bei Kitzingen sowie einem Busfahrerwechsel in Nürnberg trafen wir schließlich müde, aber voller Eindrücke gegen Mitternacht in Massenhausen ein. Welch ein Tag – welch einmalige Erlebnisse! Alle waren froh, dabei gewesen zu sein.
Wie geht es nun in groben Zügen weiter?
Am 08.05.2026 erfolgt die Abnahme der Glocke durch den Glockensachverständigen der Erzdiözese München/Freising. Wenn alles in Ordnung ist, wird sie an die Partnerfirma „Bayerwald – Lang & Gruber“ zur Finalisierung übergeben, einschließlich der späteren Montage. Parallel dazu muss die Erneuerung des Glockenstuhls erfolgen, die für einen akustisch einwandfreien und sicheren Betrieb unabdingbar ist. Es folgt dann die feierliche Glockenweihe am 12.09.2026 durch Weihbischof Wolfgang Bischof – und schließlich der Austausch der alten gegen die neue Glocke im Kirchturm und das erste Anläuten.
Zum guten Schluss:
Das Kreuz ist das visuelle Symbol des Christentums und unserer christlich-abendländischen Kultur – die Glocke ist ihre akustische Ergänzung und auch für die künftigen Generationen unverzichtbar. Glocke und Glockenstuhl sind untrennbar miteinander verknüpft.
Zur Finanzierung dieser Erneuerung sind wir nach wie vor auf Spenden angewiesen – jeder Euro zählt (entweder in der Spendenglocke in unserer Kirche oder auf das Konto der Pfarrkirchenstiftung Massenhausen mit der
IBAN: DE70 7509 0300 0002 1239 40).
Wir, die Älteren mussten/durften den Text von Schillers „Lied von der Glocke“ noch auswendig lernen, u.a.: „Von der Stirne heiß / rinnen muss der Schweiß / soll das Werk den Meister loben. / Doch der Segen kommt von oben.“
Wer beim Glockenguss dabei war, versteht das nun besser.
Rincker sen. zitierte auch eine Kurzfassung, die dem Komiker Heinz Erhard zugeschrieben wird und die man sich leichter merken kann:
„Loch in Erde / Bronze rin / Glocke fertig / bim, bim, bim.“
Der Pfarrverband Massenhausen sucht zum nächstmöglichen Termin eine
Reinigungskraft (m/w/d) für die Pfarrkirche St. Georg in Sünzhausen.
Die wöchentliche Arbeitszeit beträgt insgesamt 1,5 Stunden und kann nach Rücksprache flexibel gestaltet werden.
Bei Interesse erreichen Sie uns telefonisch unter 08165/809497.
Gerne können Sie uns Ihre Anfrage auch per E-Mail an chfischer@ebmuc.de senden.
Alle Pfarrer wurden vom Ordinariat aufgefordert, detaillierte Berichte über das Ende des Zweiten Weltkriegs in ihrer Pfarrei nach München zu melden.
Diese Berichte sind vor 20 Jahren als Buch erschienen und sind jetzt im Internet auf der Seite des Erzbistums verfügbar. Diese Berichte über Ihre Pfarrei können Sie unter folgender Adresse abrufen:
www.erzbistum-muenchen.de/cms-media/media-59068120.pdf(Suchen Sie hier Seite 13 Dekanat Weihenstephan)