München – St. Thomas Morus: Pfarrzentrum
Kunst und Ökologie am Bau
Baubotanischer Hain mit Bänken
gepflanzt 2025
Mit seinen Bänken schafft der baubotanische Hain einen Ort, an dem Menschen inmitten von Bäumen sitzen, verweilen und den kühlenden Schatten der Baumkronen genießen können. Zugleich bildet er – anstelle des Vordaches aus Stahl oder Beton, das sich vor der Neugestaltung auf dem Platz befand – den räumlichen Grün-Abschluss des Platzes vor der Kirche St. Thomas Morus.
Ziel des Entwurfs ist es, einen Aufenthaltsort zu schaffen, der nicht nur funktional überzeugt, sondern auch zeigt, wie Pflanzen Teil einer gestalteten und gebauten Umwelt werden können – ein Ansatz, der insbesondere in Bayern auf eine lange Tradition zurückblicken kann: Im Mittelalter fanden sich in vielen bayerischen Städten und Dörfern sogenannte Tanzlinden – in ihrem Wachstum architektonisch überformte Lindenbäume, die teilweise sogar ganze Tanzböden in der Baumkrone aufnahmen. Einige dieser Beispiele sind bis heute erhalten geblieben.
Die Baubotanik verbindet pflanzliches Wachstum mit technischem Fügen: Lebende und nicht lebende Konstruktionselemente werden so miteinander verbunden, dass sie langfristig zu einer pflanzlich-technischen Verbundstruktur verwachsen. Architektur wird dabei nicht als fertiges Objekt verstanden, sondern als ein Prozess, der Planung, Wachstum und Pflege über längere Zeit zusammendenkt. Die gesunde Entwicklung der Bäume ist dabei integraler Bestandteil, um langfristig die Tragfähigkeit der Bänke sowie die Verschattung und Kühlung des Platzes sicherzustellen.
Für das Projekt wurden Bäume eigens in einer Baumschule ausgewählt und mithilfe von 3D-Laserscans präzise vermessen. Durch einen erweiterten Wurzelraum unter der Platzfläche und ein integriertes Regenwassermanagement wurden möglichst gute Wachstumsbedingungen für die Bäume geschaffen.
Die Verschraubung der Bänke mit den Baumstämmen betrifft nur in geringem Maß deren lebendes Gewebe, das sich vor allem in den äußeren Bereichen des Holzes und den inneren Bereichen der Rinde befindet. Sie werden nur punktuell verletzt, die Bohröffnung wird mit einer Unterlagscheibe verschlossen, und die Verschraubung wird im Stamminneren durch nicht lebendes Holz geführt. Langjährige Untersuchungen der Technischen Universität München und der Universität Stuttgart sowie vergleichbare Projekte zeigen, dass die Vitalität der Bäume durch derartige – fachgerecht ausgeführte – Verbindungen in der Regel nicht beeinträchtigt wird.
Das Projekt nutzt gezielt die natürlichen Wachstums- und Selbstreparaturprozesse von Bäumen. An den Verbindungsstellen bilden sich Überwallungen aus, die die Schrauben zunehmend dicht und kraftschlüssig umschließen. Da Bäume nur an den Triebspitzen in die Länge wachsen, verändert sich die Höhe der Bänke im Laufe der Zeit nicht.
Die Baubotanik schafft – anstelle eines Vordaches aus Beton oder Stahl – für München wichtige Grün- und Klimaausgleichsflächen, die der gesamten Stadtgemeinschaft zugutekommen.
Wir laden Sie herzlich ein, den baubotanischen Hain zu nutzen, und freuen, Fragen zum Projekt zu beantworten.
Bauherrschaft: Kirchenstiftung St. Thomas Morus in München mit der Erzdiözese München und Freising
Entwurf: OLA – Office for Living Architecture, Stuttgart
Forschungspartner: Professur für Green Technologies in Landscape Architecture (GTLA), Technische Universität München (TUM)