Etwa einen Kilometer südlich von Rott am Inn liegt inmitten von Wiesen und Feldern der Weiler Feldkirchen. Die Kirche gilt bis heute als Wallfahrtskirche „Maria vom Herzen“ oder bei Einheimischen „Unsere liebe Frau von Feldkirchen“.
Im 8. Jahrhundert wurden durch bayerische Adelsgeschlechter viele Gotteshäuser gegründet. Auch für unser Feldkirchen soll ein gewisser Uurmhart aus dem Geschlecht der Fagana (Vagen) ein Drittel seines Vermögens für eine Kirche gestiftet haben. Wir wissen
Im Jahr 1298 taucht Feldkirchen aus dem Nebel der Geschichte auf. Die früheste Urkunde ist ein Ablassbrief aus der Benediktinerabtei Rott am Inn, in dem acht römische Kardinäle den gläubigen Besuchern der Marienkirche von Feldkirchen einen Ablass verleihen, wenn sie nach wahrer Buße und Beichte die „Kirche im Feld“ aufsuchen und auch ihre helfende Hand zur Erhaltung der Kirche reichen. Auch durch diese helfenden Hände konnte wohl der heute noch bestehende spätromanische Turm errichtet werden.
1315 erscheint „Veltkirchen“ im Bistumsmatrikel des Bistums Freising als Filialkirche des Klosters Rott. Viele Rotter Äbte förderten die Liebfrauenkirche zu Feldkirchen. Unter den Äbten Heinrich Varcher und Alexius Perfaller 1459-1484 konnte sie durch die milden Gaben der Kirchenbesucher neu errichtet und eingerichtet werden. Das Gnadenbild des Hochaltares gehört dieser Zeit an.
Abt Johannes Held verlängerte das Langhaus der Kirche mit dem noch bestehenden Vorraum. An dieses Ereignis erinnert eine Rotmarmorplatte mit der Jahreszahl 1489 und dem Kopf eines bärtigen Mannes mit Kloster- und Abtwappen.
Gegen Mitte des 16. Jahrhunderts blühte die Wallfahrt auf. Um diese Zeit, in den Amtsjahren des tüchtigen Abtes Benedikt Stunpf, eines gebürtigen Rotters, wird auch der Altarraum der Kirche neu erbaut worden sein. Das bemerkenswerte Tafelgemälde „Maria im Ährenkleid“ im Chor gehört ebenso in diese Zeit wie das seltene Friedhofstor mit den Tonreliefs „Maria Verkündigung“ und „Maria Himmelfahrt“. Dieser Mann mit dem Eichkätzchen im Wappen war 30 Jahre Abt und dem Heiligtum in Feldkirchen mit Fürsorge und Liebe zugetan.
1629 wurden die gotischen Gewölberippen und Schlusssteine abgeschlagen und die jetzige reiche Stuckatur im Stil der Spätrenaissance angebracht.
1690 erhielt die Kirche ihre jetzige barocke Innenausstattung und eine neue Orgel. Im selben Jahr wurde auch ein Wirtshaus für die Wallfahrer erbaut, das in der Wiese vor dem Friedhofstor stand.
Der Innenraum der Kirche zeigt sich in einer festlichen warmen Farbigkeit. Im Gewölbestuck des Langhauses schaffen Blumen und Pflanzen fast einen Paradiesgarten. Die in den Bildfeldern dargestellten Embleme, die Gegenüberstellung alt- und neutestamentarischer Ereignisse, sogar die Dramatik des Passionsgeschehens bis zum Osterjubel wirken in diesem Paradiesgarten wie verklärt.
Der Altarraum ist fast allein der Gottesmutter Maria geweiht. Anfang des 15. Jahrhunderts entsteht der Bildtyp des „Verschlossenen Gartens“, des „Hortus conclusus“. Bei der Stuckierung des Altarraumes hat man den Eindruck, dass dieser „Hortus conclusus“ Vorbild war. Er wird zu einem Raum in dem die Sinnbilder der Jungfräulichkeit, der Schönheit, der Weisheit, der Reinheit und der Auserwähltheit der Jungfrau Maria zusammengefasst sind. Es sind Texte aus der alttestamentarischen Weisheitsliteratur und dem Hohen Lied, die hier zum Bild geworden sind.
Die älteste Skulptur in der Kirche ist das Andachtsbild der Heiligen Anna selbdritt im Langhaus. Die thronende Anna hat die mädchenhafte kleine Maria auf dem Schoß und das Jesuskind auf der anderen Seite.
Wahrscheinlich hat die Wasserburger Bildhauerfamilie Hartmann um 1690 die Kanzel, die beiden Seitenaltäre, geweiht der Hl. Anna und dem Hl. Josef, sowie den Hochaltar geschaffen. Das Altarblatt des Annaaltares gilt als Votivgabe des unweit der Kirche geborenen Hans Georg Asam, Vater seiner bedeutenden Söhne Cosmas und Damian Asam.
Die Mensa des Hochaltares schmücken seit geraumer Zeit wieder die Büsten des Hl. Nikolaus und des heiligen Papstes Sylvester, Schutzpatrone aller Schiffsleute, die auf dem nahen Inn ihrem gefährlichen Beruf nachgingen. 1720 wurde diese bis in unsere Tage reichende Gebetsbruderschaft vom Papst anerkannt.
Nicht zu übersehen ist auch das anrührende Hochrelief des letzten Abendmahles im Tabernakel. Johannes der Täufer und Johannes der Evangelist stehen links und rechts des Gnadenbildes. Ersterer als Vorläufer, der Evangelist als der, der über den Tod Christi hinauswirkt.
Im Auszug der segnende Gott Vater. Die Muschel ganz oben ist zum Mariensymbol geworden, weil Maria Jesus, die kostbare Perle, in ihrem Schoß barg.
In der üppigen bildhauerischen Dekoration mit den Fruchtgehängen wird besonders der Granatapfel betont, als Zeichen der Fruchtbarkeit und der Gnadenfülle, die Maria zuteilwurde.
Das Gnadenbild selbst entstand um 1500 und ist somit 200 Jahre älter als der Altarbau. Es gehört zum Typus der „Schönen Madonnen“ und spricht uns immer noch an. „Maria vom mütterlichen Herzen“ lebendig und zart in Haltung und Bewegung, damenhafte Feinheit und liebliche Mütterlichkeit. Eine wirkliche „Liebe Frau“.