Text. M. Hess
Foto: C. Diesch
Ohne ihn wäre alles nichts – Erntedank in St. Martin Saaldorf
Jede Eucharistiefeier ist ein Dank an Gott für seine Nähe zu uns Menschen – diese Botschaft stand im Mittelpunkt des diesjährigen Erntedankfestes. Denn zum täglichen Leben gehört weit mehr als das tägliche Brot, und die Ernte umfasst viel mehr als nur Getreide, Obst und Gemüse. Im Festgottesdienst brachten die Gläubigen ihren Dank für all das ein, was sie täglich zum Leben empfangen: Für die Früchte der Arbeit im Beruf, in der Schule und für das gelingende Zusammenleben.
Den Gottesdienst gestalteten der Kirchenchor und Organist Franz Glück mit Liedern aus der Messe von Michael Haydn. Ein besonderer Blickfang war auch in diesem Jahr der wunderschöne Kirchenschmuck. Die Frauen vom Kirchensprengel Moosen sowie die Mesnerin Gertraud Schinagl gemeinsam mit ihrem Mann Martin hatten das Gotteshaus für diesen Festtag prachtvoll hergerichtet. Pfarrer Roman Majchar CM sprach ihnen dafür im Namen der Gemeinde einen besonderen Dank aus. Viel Mühe war nötig gewesen, um die Pflanzen zu pflegen, und so mancher Gartenbesitzer durfte zu Recht stolz auf die Blütenpracht dieses Jahres sein.
Doch das Evangelium des Tages schien auf den ersten Blick eine andere Sprache zu sprechen.
In seiner Predigt ging Pfarrer Majchar auf die Bibelstelle vom reichen Kornbauern ein, der sich über den unverhofften Segen einer reichen Ernte freut und sich ein schönes, sorgenfreies Leben ausmalt. Doch Gott bremst ihn jäh aus und fordert noch in derselben Nacht sein Leben zurück.
„Was hat der Mann falsch gemacht?“, fragte Pfarrer Majchar in die Runde. Die Antwort: Er hat sich ausschließlich auf sein materielles Wohlergehen konzentriert. Dabei gehe es gar nicht darum, dass wir nicht stolz auf die Früchte der Erde und die Gaben der Natur sein dürften. Vielmehr gehe es darum, den eigenen Blick zu erweitern. „Sehen wir auch denjenigen, der hinter der Natur mit all ihren Wundern steckt? Haben wir ein Auge dafür, was wir mit diesen Gaben bewirken können? Sammeln wir Schätze nur für uns selbst oder für den Himmel?“, regte der Pfarrer zum Nachdenken an.
Jesus lade die Menschen ein, auf das eigene Leben zu schauen: Wie sieht die Ernte unseres bisherigen Lebens aus? Was können wir besonders gut, wo hatten wir großes Glück und wo war Gott spürbar mit im Spiel? Viele Jahre eine gute Ehe geführt zu haben, die Chance, sich im Leben hochgearbeitet zu haben oder eine gute Beziehung zu den eigenen Kindern – für all das lohnt es sich, danke zu sagen. Der Mann im Evangelium hatte falsche Prioritäten gesetzt und nur auf den eigenen Wohlstand geschaut. Jeder sollte sich fragen: Was ist wirklich wichtig im Leben, was ist Gegenstand unserer Sorgen und wo liegt unser wahrer Schatz?
Nach der Eucharistiefeier machte sich die Kirchengemeinde auf den Weg zur Erntedankprozession durch das Dorf. Die Musikkapelle Steinbrünning begleitete den Umgang musikalisch mit feierlichen Prozessionsmärschen. Unter dem Himmel trug Pfarrer Roman Majchar CM das Allerheiligste durch den Ort.
Den feierlichen Abschluss fand das Erntedankfest in der Kirche mit dem eucharistischen Segen und dem gemeinsamen Lied „Großer Gott, wir loben dich“, das von der Musikkapelle, der Orgel, dem Kirchenchor und allen Gläubigen kraftvoll angestimmt wurde. Die Klänge drangen durch die weit geöffneten Kirchentüren hinaus ins Freie – als hörbares Zeichen, dass sich die Gläubigen vor dem ewigen Gott verneigen und für seine Schöpfung danken. Denn, so das Resümee des Festtages: Ohne ihn wäre alles nichts.
Beim Verlassen der Kirche konnten die Besucher noch Gutes tun: Mitglieder des Pfarrgemeinderates und Ministranten verteilten gegen eine Spende im Rahmen der Aktion Minibrot kleine Brote. Der Erlös geht an die Hilfsorganisation „Junge Leute helfen“, die Menschen auf dem Balkan und in Osteuropa unterstützt.
Neuer Pfarrgemeinderat von links: Birgit Pöllner, Pfarrer Roman Majchar, Christina Hauser, Martina Eder, Christine Diesch, Andreas Eder, Martina Wallner, Florian Hintermeier, Gertraud Schinagl
Frühmorgens am Samstag um 5.45 Uhr machten sich die ersten Pilger aus Saaldorf, Surheim und Freilassing per Bus auf den Weg nach St. Wolfgang. Der Großteil der insgesamt ca. 60 Teilnehmer ging ab St. Gilgen bei noch sehr frischen Temperaturen zu Fuß über den Falkenstein. An den Kreuzwegstationen am Wegesrand wurde jeweils zu einem kurzen Impuls innegehalten. Nach dem Abstieg und einer Brotzeitpause ging es Rosenkranz-betend das letzte Stück nach St. Wolfgang, wo die Kirchenglocken die Wallfahrer zur heiligen Messe empfingen. Diese wurde zelebriert von Pater Placidus, der sich extra für diese Wallfahrt von seinem Pfarrverband im Lammertal frei genommen hatte, um die Pilger auf ihrem ganzen Weg ab Saaldorf zu begleiten. Nach der Messe und der Einkehr zum Mittagessen konnte man noch ein wenig durch den sonnigen Ort flanieren, bevor es am Nachmittag wieder zurück nach Hause ging.
Text: R. Weidenauer
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