Eine Geschichte erzählt vom Land Malon, das hinter solch hohen Bergen lag, dass die Bewohner niemals die Sonne sahen. Das Einzige, was sie kannten, war stockdunkle Nacht. Jeder der Bewohner wohnte allein in einem Haus, das von einer hohen Mauer umgeben war.
Ein Wanderer kam eines Tages in das Land und war verwundert über die Dunkelheit und die seltsamen Bewohner. Er erzählte den Malonen über die Sonne, die Leben hervorbringt und Wärme spendet. Da kamen immer mehr Leute aus ihren Häusern heraus, um den Worten des Fremden zu lauschen. In ihnen wurde das Verlangen nach Wärme, Gemeinschaft und Licht geweckt. Trotzdem blieb es dunkel im Land Malon. Nach einiger Zeit zog der Wanderer weiter. Die Malonen waren sehr traurig darüber, weil keiner ihnen dann mehr von der Sonne erzählen konnte. Allerdings verkrochen sich die Bewohner des Landes Malon nicht mehr in ihrer Häuser und redeten miteinander. Jeden Morgen riefen sie nach der Sonne. Und dann geschah das Wunder: Die Sonne ging hinter den Bergen als rote Scheibe auf und erleuchtete alle Menschen im Land Malon.
Dieses Märchen erinnert mich an das Pfingstgeschehen: Die Jünger sitzen hinter Mauern und verschlossenen Türen und wagen sich nicht, die frohe Botschaft von der Auferstehung weiterzuerzählen. Durch das Pfingsten, durch den heiligen Geist lichtete sich das Dunkel ihrer Angst. Wie durch ein Wunder treibt sie der Geist Gottes an, die Türen aufzumachen und in die Welt hinauszugehen, damit sie den Menschen das wahre Licht, Jesus Christus bringen.
Pfingsten ist kein Märchen. Diejenigen, die Augen und Ohren offen halten können durch den Geist Gottes Wunder und Verwandlung erfahren, die sie nicht einmal zu wagen erhofft hätten.
Ein frohes Pfingstfest wünschen Ihnen
Ihr Pfarrer Claus Kebinger