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PFARRVERBAND OBERES INNTAL

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In dieser Rubrik stellen wir in loser Reihenfolge aktuelle Themen aus christlicher Sicht zur Verfügung, die wir für lesenswert halten.

DIE PSALMEN IM LEBEN JESU

VON PATER DOMINIK HÖFER SJM

Der Sohn Gottes, der eins ist mit seinem Vater (Joh 10,13) und bei seinem Eintritt in die Welt spricht (Hehr 10,9): „Ja, ich komme, um deinen Willen zu tun“, schenkt allen Menschen das Vorbild seines Betens. Jesus betet und bedient sich stets der Sprache der Psalmen.

Jesus gibt für seine eschatologische Mahnung „Wachet und betet allezeit, damit ihr allem, was geschehen wird, entrinnen und vor den Menschensohn hintreten könnt“ (Lk 21,36) durch sein Leben ein leuchtendes Vorbild. Stets finden dabei die Psalmen eine unmittelbare Verwendung:
Taufe und Verklärung Jesu, Mk 1,11, Mk 9,7
Das ist mein geliebter Sohn; auf ihn sollt ihr hören. Ps 2,7

Einzug in Jerusalem, Mk 11,9
Hosianna! O HERR, lass w'ohlgelingen! Gelobt sei, der da kommt im Namen des HERRN! Ps 118,25-26

Gleichnis von den bösen Winzern, Mk 12,10
Habt ihr nicht das Schriftwort gelesen: Der Stein, den die Bauleute verworfen haben... Ps 117,22 LXX

Messiaswürde Jesu in der Diskussion mit Schriftgelehrten, Mk 12,36
Es spricht der Herr zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten!
Ps 110,1

Hinweis auf den Verräter, Mk 14,18
Auch mein Freund, dem ich vertraute, der mein Brot aß, tritt mich mit Füßen. Ps 41,10

Im Ölgarten, „Meine Seele ist betrübt bis zum Tode“, Mk 14,33
Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, dass er mir hilft mit seinem Angesicht.
7 Mein Gott, betrübt ist meine Seele in mir, ...
11  wenn mich meine Feinde schmähen und täglich zu mir sagen: Wo ist nun dein Gott?
12  Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir?
Ps 42,6-12

Messias-Anspruch Jesu vor dem Hohen Rat, Mk 14,62
Es spricht der Herr (Gort) zu meinem Herrn (dem Messias): Setze dich zu meiner Rechten!

Kreuzigung, Mk 15,23
Sie geben mir Galle zu essen und Essig zu trinken für meinen Durst.
Ps 69,22
 
Mk 15,24
Sie teilen meine Kleider unter sich und werfen das Los um mein
Gewand. Ps 22,19
 
Mk 15,29
Alle, die mich sehen, verspotten mich, sperren das Maul auf und schütteln den Kopf: »Er klage es dem HERRN, der helfe ihm heraus und rette ihn, hat er Gefallen an ihm.« Ps 22,8-9
 
Mk 15,34
Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Ps 22,2

Letzte Erscheinung des Auferstandenen: Nachdem Jesus, der Herr, dies zu ihnen gesagt hatte, wurde er in den Himmel aufgenommen und setzte sich zur Rechten Gottes. Mk 16,19
»Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde zum Schemel unter deine Füße lege.« Der HERR wird das Zepter deiner Macht ausstrecken aus Zion. Herrsche inmitten deiner Feinde! Ps 110,1-2

Apg 2,42: Die Gläubigen halten von An­fang an „fest an der Lehre der Apostel und an der Gemeinschaft, am Brechen des Brotes und an den GEBETEN.“
Der Christ betet seit apostolischer Zeit die Psalmen nicht wie der alttestamentliche Beter in der Zeit vor Christus, sondern meditiert sie wie Jesus, wie Maria, wie die Apostel, wie die Urkirche - wie gläubige Christen sie eben verstehen können; wir sagen auch: wir lesen bzw. beten die Psal­men christologisch. Darum beschließt ein christlicher Beter jeden einzelnen Psalm mit dem „Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist. Wie im Anfang so auch jetzt und alle Zeit und in Ewigkeit. Amen.“
Psalmen
Die Urkirche und die Psalmen
Der Herr selbst und sein Jüngerkreis le­ben in der Gebetstradition der frommen Juden. Vor allem stirbt der Herr als Be­tender, mit dem Psalm 21(22) auf den Lippen, den er wohl ganz rezitiert hat; die Stationen seiner Passion ereignen sich zu den jüdischen Gebetszeiten: Mk 15,25.33.34.
Schon früh pflegen die Christen unter dem Einfluss der damaligen Tagesein­teilung neben dem Morgen- und dem Abend lob ein Gebet zur dritten, sechs­ten und neunten Stunde, das sie selbst­verständlich auf das Vorbild der Apostel und damit auf jüdische Frömmigkeit zurückführen.

Allgemein:
Ps 54 (55) Am Abend, am Morgen, am Mittag seufze ich und stöhne; er hört mein Klagen.

Im Einzelnen die drei kleinen Tagzeiten (Terz-Sext-Non):

Apg 2  Als der Tag des Pfingstfestes ge­kommen war, waren alle zusammen am selben Ort. Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daher fährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. ...
Da trat Petrus auf ...; er erhob seine Stimme und begann zu reden: Ihr Juden und alle Bewohner von Jerusalem! ...
Diese Männer sind nicht betrunken, wie ihr meint; es ist ja erst die dritte Stunde am Tag.

Apg 10 Am folgenden Tag..., stieg Pe­trus auf das Dach, um zu beten; es war um die sechste Stunde.

Apg 3 Petrus und Johannes gingen zur Gebetszeit um die neunte Stunde in den Tempel hinauf.

Der Segen des regelmäßigen Psal­mengebetes
Als Gebet der Kirche, des fortlebenden Christus auf Erden, hat das Psalmen- und Stundengebet seine ganz besonde­re religiöse Würde. Wird einerseits die subjektive Persönlichkeit des Beters in heilsame Zucht genommen, so erhält sie darin andererseits eine hohe Würde und Bereicherung aus den ewig jungen Schätzen der Liturgie.

* Durch das Psalmengebet verlängern wir unser Verweilen in der Gegen­wart Gottes, der sich in seinem Wort offenbart.

* Das Psalmengebet bereitet die Heilige Messe vor, umrahmt sie und verweilt anschließend dankbar und vertiefend in den Gedanken des Tages- bzw. Fest­geheimnisses.

* Dadurch erfüllt die Kirche als Ganze und der einzelne in ihr den Auftrag des Apostels: „Betet ohne Unterlass“ (1Thess 5,17). Schon der Psalmist war sich bewusst: „Ich habe den Herrn beständig vor Augen“ (Ps 25,15) und „sein Lob sei immerdar in meinem Mund“ (Ps 34,2).
 
* Der Psalter ist eine einzigartige Ge­betsschule. Er enthält alle Arten von Gebet: Dank, Lobpreis, Fürbitte, de­mütiges Flehen und Seufzen, Wehkla­ge, Bekenntnis und Reue, Entzücken und Liebe, Betrachtung der göttlichen Eigenschaften, Jubel und Freude am Herrn.

* Das Psalmengebet ordnet unser Beten ganz nach dem Willen Gottes, der von der Kirche empfangen und weiterge­geben wird, und formt so unser Den­ken und Tun — über Jahre hin.

*Wir sind vereint mit allen Mitgliedern des ganzen Leibes Jesu Christi - über alle Grenzen von Raum und Zeit hin­weg.

* Der christliche Tag wird geprägt durch das Christusmysterium. Der Gläubige (nicht nur der Priester) weiß seinen ei­genen Tagesablauf in die Heilsgeheim­nisse des Lebens Jesu eingebettet und entdeckt darin für sich selbst besonde­re Zeiten gottgeschenkten Heils.