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In dieser Rubrik stellen wir in loser Reihenfolge aktuelle Themen aus christlicher Sicht zur Verfügung, die wir für lesenswert halten.

WIE KONNTE GOTT VON ABRAHAM FORDERN, SEINEN EINZIGEN SOHN ZU OPFERN?

VON PATER DOMINIK HÖFER SJM

Gen 22,2 - "Er sprach: Nimm deinen Sohn, deinen einzigen Sohn Isaak, den du liebst, und geh hin in das Land Moria und opfere ihn dort als Brandopfer auf einem der Berge, den ich dir zeigen werde. "
 
Nicht nur Denker und Philosophen, auch die frommen Gelehrten haben sich mit dem Opfer Isaaks durch Abraham schwergetan, ja damit gerungen.

Wie kann ein liebender Gott, den wir "Vater" nennen, von einem menschlichen Vater verlangen, seinen Sohn zu opfern?
Und wie kann ein liebender Vater einem solchen Gebot gehorchen?

Ein Schlüssel zum Verständnis dieses und anderer Ereignisse im Alten Testament besteht darin, zu verstehen, wie Typen und Schatten eingesetzt werden, um uns auf zukünftige Ereignisse wie das Kommen des Messias hinzuweisen. Schauen wir uns an, wie das funktioniert.

Typos und Schatten
Dein Schatten sagt viel über dich aus. Er kann der Welt bis zu einem gewissen Grad sagen, was du gerade tust. Aber am Ende bist du es nicht
selbst. Er zeigt nur auf dich, dein wahres Ich. Dein Schatten wird als ein Typos von dir bezeichnet, und du wirst der Antitypos genannt. Das ist keine Beleidigung.
In ähnlicher Weise hat die Bibel viele Typen oder Vorahnungen, die viel
über ihren Antitypos in einer zukünftigen Zeit aussagen. Sie sagen der Welt
ein Stück weit, was passieren wird und wie es aussehen könnte.
Sie wurden nicht geschrieben, um die Zukunft als Prophezeiung vorherzusagen. Aber sie können uns helfen, den Antitypos, auf den sie hinweisen, besser zu verstehen und zu erkennen, wenn er ins Blickfeld kommt. Ein Typos des Messias kann uns zum Beispiel helfen zu verstehen, was der Messias sein wird und was er tun wird, aber dieser Typos ist nicht der Messias selbst.

Gibt es im Opfer Isaaks einen Aspekt der Vor­ahnung und Prophezeiung auf Jesus hin?

Das Opfer Isaaks ist Hinweis und Vorausbild auf das Opfer Jesu Christi.

Isaaks Rolle war in den Augen vieler Gelehrter nicht weniger entscheidend als die Abrahams. Schließlich war Isaak bereit, sich im Gehorsam gegenüber seinem Vater und dem Allmächtigen opfern zu lassen und wurde dadurch zum Ty­pos, zum Vorausbild oder Schatten Jesu Christi.

Schauen wir uns die Parallelen an, die auf Christi Leiden, Sterben und Auferstehung hinweisen:
Abraham und Isaak

Gott gibt seinen Befehl, einen geliebten Sohn zu opfern
Sohn Abrahams
: Gott sprach: "Nimm deinen Sohn, deinen einzigen Sohn, den du liebst — Isaak — und geh in die Gegend von Moria. Opfere ihn dort als Brandopfer auf einem Berg, den ich dir zeigen werde." (Gen 22,2)

Sohn Gottes: "Es war Gottes Wille, ihn zu zermalmen und ihn leiden zu lassen, - und so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn dahingab." (Jes 53,10; Joh 3,16)

Die Söhne nehmen Gottes Willen an
Isaak rebelliert nicht, sondern lässt sich fes­seln und auf den Altar und das Holz legen, um sein Ende zu erwarten. (Gen 22,6-11)

Jesus Christus bekräftigt: "Nicht mein Wil­le, sondern der Deine geschehe" vor Seinem Vater im Himmel, während er sich im Gar­ten Gethsemane befindet. (Lk 22,42; vgl. Jes 53,7)

Die Söhne tragen das Holz
Isaak trägt das Holz, als er und Abraham den
Berg Moria besteigen. (Gen 22,6)

Jesus Christus trägt das Kreuzesholz, wäh­rend Er nach Golgatha geht. (Joh 19,17)

Gott stellt einen Ersatz zur Verfügung
"Gott selbst wird das Lamm für das Brandop­fer bereitstellen, mein Sohn", sagt Abraham zu Isaak. ... Er ging hinüber, nahm den Widder und opferte ihn als Brandopfer anstelle seines Sohnes. (Gen 22, 13)
Gott selbst hat "das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt" zur Verfügung gestellt! (Johannes 1,29)

Die Angehörigen trauern drei Tage lang
Isaak war so gut wie tot, in Abrahams Herz und Geist während ihrer dreitägigen Reise zum Berg Moria.

Jesus Christus war wirklich tot. Seine An­hänger trauerten während Seiner drei Tage im Grab.

Glaube an die Auferstehung
Rabbi Eliezer (ca. 40—120 n. Chr.) schreibt über Isaak, dass Vater Abraham an die Aufer­stehung der Toten glaubte, sonst hätte er dem Befehl nicht Folge leisten können.
Obwohl die Apostel Jesu seinen Tod betrauer­ten, während er im Grab lag, "hörten die Apo­stel nicht auf, mit großer Macht die Auferste­hung des Herrn Jesus zu bezeugen", nachdem er auferstanden war. (Apg 4,33)
Diese Gegenüberstellung von Typos (Isaak) und Antitypos (Jesus Christus) wird im Römi­schen Messkanon eigens erwähnt, zusammen mit den beiden anderen Vorbildern für das eucharistische Opfer: das reine Opfer Abels und das Opfer des Melchisedek.
Wie Abraham bereit war, seinen Sohn Isaak zu opfern, so hat Gott „seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern ihn für uns alle hin­gegeben“ (Röm 8,32). Wie Isaak bereitwillig zum Opferaltar ging, tat es auch Jesus. Doch es gibt auch einen Unterschied: Während Gott einen Widder als Ersatz für Isaak zur Verfü­gung stellte, vollzog Jesus tatsächlich seinen Sühne- und Opfertod in persona. Aber das bringt uns wieder zurück zu den Ähnlichkei­ten: Abraham nannte den Ort „Der Herr wird für sich sorgen“ (Gen 22,14), da Gott den Widder zur Verfügung stellte. Jesus Christus wird in seinem Tod und seiner Auferstehung Gottes ultimative Fürsorge für uns.
Was wir in der Osternacht vernommen haben, dürfen wir bei jeder heiligen Messe neu erleben.