Auszug aus dem Artikel: "Diese Erklärung der Bischofskonferenz hat der Diözesanrat als oberstes Laiengremium der Erzdiözese
München und Freising vergangenes Jahr und damit vor den Wahlen der Pfarrgemeinderäte im März 2026 zum Anlass genommen, die Satzungen kirchlicher Gremien um eine Präambel und neue Mitgliedschafts- und Wählbarkeitskriterien zu erweitern. Damit soll Rechtsverbindlichkeit geschaffen werden. „Ein Katholik oder eine Katholikin, der oder die öffentlich wahrnehmbar menschenverachtend handelt“, heißt es da, „in dem er Menschen abwertet, herabwürdigt, diffamiert oder bedroht und damit die Glaubwürdigkeit der Kirche beeinträchtigt, ist nicht wählbar“. Die Entscheidung fällt im Einzelfall eine Schiedsstelle.
„Bislang“, sagt Richard Mathieu, „wurde die Schiedsstelle noch nicht angerufen, aber ich kann mir vorstellen, dass das irgendwann passieren wird.“ Mathieu ist Theologischer Grundsatzreferent und damit angestellter Mitarbeiter des Diözesanrates. Mit einem Team hat er 2024 eine Demokratiefibel verfasst als Argumentationshilfe für die Praxis in den Pfarrgemeinden. Die Nachfrage ist enorm. Die Broschüre wurde bereits viermal nachgedruckt, 10 000 Exemplare sind verteilt. Man wolle, sagt Mathieu, „die Wertschätzung für die Demokratie in die Breite bringen und den Leuten mit diesem Leitfaden in einer sehr knappen Sprache etwas an die Hand geben“. Damit sie aus dem Stand populistischen Parolen am Stammtisch, rassistischen Witzchen in einer fröhlichen Runde oder menschenverachtenden Sprüchen während einer öffentlichen Veranstaltung etwas entgegensetzen könnten. „Wenn wir überraschend in eine solche Situation geraten, wissen wir oft nicht, wie wir darauf reagieren können.“
„Deutschland den Deutschen“ wäre zum Beispiel so ein Satz. Oder „Aber die AfD ist gegen Abtreibungen – das ist doch gut katholisch“. In der Demokratiefibel wird faktisch gegen diese Parolen argumentiert. In der Lesart der AfD solle ungeborenes Leben nicht um seiner selbst willen geschützt werden, heißt es da, sondern werde „als Mittel zum Zweck des Erhalts und des Zuwachses der Bevölkerung im Sinne einer völkisch-nationalen Identität gesehen“. Das unterscheide sich erheblich von der Überzeugung der Kirche, „dass Lebensschutz im Prinzip der unbedingten, gleichen und von Gott gegebenen Menschenwürde begründet ist und die von Anfang an für alle Menschen – unabhängig von ihrer Herkunft - gilt“.
Man müsse rechtspopulistische Parolen nicht im Detail wegargumentieren können, sagt Mathieu, der einige Jahre zunächst religionspolitischer Referent der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag und anschließend ein paar Türen weiter bei den Grünen in gleicher Funktion war. „Aber es ist wichtig, dass man nicht schweigt, sondern ganz konkret sagt: Es ist nicht okay, was du gesagt hast.“ Schweigen normalisiere „menschenfeindliches Gedankengut, weil diejenigen, die sich provokativ äußern, das Gefühl haben, das kann man ja ruhig sagen“."