Diözesanrat der Katholiken

Demokratisch gewählte Vertretung des Kirchenvolkes.
Der Diözesanrat repräsentiert mehr als 125.000 ehrenamtlich in Katholikenräten, Verbänden und Initiativen aktive katholische Frauen und Männer. Zu den Aufgaben des Diözesanrats gehört es, das wirtschaftliche, familiäre, gesellschaftliche und politische Umfeld so mitzugestalten, dass der Mensch gedeihen und sich entfalten kann.

„Technik braucht Haltung“ – Diözesanrat würdigt Enzyklika von Papst Leo XIV.

Visual Statement Schalk
Der Vorsitzende des Diözesanrates der Katholiken der Erzdiözese München und Freising, Armin Schalk, hat die heute veröffentlichte erste Enzyklika von Papst Leo XIV. als „wichtigen kirchlichen Beitrag zur Gestaltung der digitalen Transformation“ gewürdigt. Die Enzyklika Magnifica Humanitas verbinde „technologische Entwicklung mit sozialer Verantwortung – das ist ein wichtiges Signal“.  

„Papst Leo XIV. macht deutlich, dass Künstliche Intelligenz niemals Selbstzweck sein darf. Maßstab jeder technologischen Entwicklung muss die Würde des Menschen bleiben“, erklärte Schalk. Gerade darin liege eine enge Verbindung zu den Positionierungen des Diözesanrates, der sich bereits auf der Vollversammlung 2024 mit den ethischen und gesellschaftlichen Folgen von KI auseinandergesetzt habe. „Auch wir haben betont: KI kann Chancen eröffnen, sie darf aber nicht zu neuer sozialer Ungleichheit, zu Entmenschlichung oder zu einer Kultur der bloßen Effizienz führen.“

Der Vorsitzende verwies auch auf die vom Vorstand des Diözesanrates verabschiedeten und auf der Frühjahrsvollversammlung 2026 diskutierten 9 Thesen zur Sozialen Marktwirtschaft, in denen die Bedeutung von Gemeinwohlorientierung, sozialer Teilhabe und demokratischer Verantwortung hervorgehoben werde. „Die Enzyklika erinnert eindringlich daran, dass wirtschaftliche und technologische Entwicklungen immer dem Menschen und dem gesellschaftlichen Zusammenhalt dienen müssen. Das entspricht genau dem Anliegen unserer Thesen zur Sozialen Marktwirtschaft: Fortschritt braucht Werte, Solidarität und Verantwortung.“

Schalk betonte zudem, dass Leo XIV. in Kontinuität zu Leo XIII. und Johannes Paul II. den Blick besonders auf die Situation arbeitender Menschen richte: „Gerade im Hinblick auf das Voranschreiten der Digitalisierung und der Nutzung von KI ist der Hinweis von Leo richtungsweisend, dass Arbeit eine grundlegende Dimension der menschlichen Erfahrung ist und bleibt. Auch als Diözesanrat haben wir deutlich gemacht, dass Arbeit nicht nur Mittel zum Lebensunterhalt ist, sondern Würde ausdrückt, Sinn stiftet und Selbstwirksamkeit vermittelt. Es kommt jetzt darauf an, dass wir eine breite gesellschaftliche Debatte darüber führen, wie man der entscheidenden Bedeutung von Arbeit im Angesicht von Künstlicher Intelligenz, wegfallenden Arbeitsplätzen und Transformationen gerecht werden kann.“

Besonders hob Schalk die deutliche Kritik des Papstes an einem „technokratischen Paradigma“ hervor, das Entscheidungen allein nach Kriterien von Effizienz, Kontrolle und Profit ausrichte. „Leo XIV. knüpft damit bewusst an die Tradition der katholischen Soziallehre an – von Rerum Novarum bis in die Gegenwart der digitalen Revolution“, so Schalk. „Die Kirche darf sich nicht darauf beschränken, technologische Entwicklungen staunend zu beobachten. Sie muss fragen, welche Auswirkungen sie auf Arbeit, Demokratie, Bildung, Beziehungen und Frieden haben und diese Debatte mitgestalten.“

Zugleich sehe der Diözesanrat in der Enzyklika eine wichtige Bestärkung für weltweiten Synodalen Prozess der vergangenen Jahre. „Leo XIV. macht klar, dass die großen Herausforderungen unserer Zeit nicht autoritär oder technokratisch gelöst werden können, sondern nur durch echtes Zuhören, Beteiligung und gemeinsames Ringen um Verantwortung“, erklärte Schalk. „Indem Leo die Idee der Synodalität auch sozialethisch ausbuchstabiert, zeigt er auf, dass sie nicht nur ein innerkirchliches Organisationsprinzip, sondern eine gesellschaftliche Ressource ist.“

Gerade in einer Zeit zunehmender Polarisierung und algorithmischer Verstärkung von Konflikten brauche es Orte echter Begegnung und Gesprächskultur. „Die synodale Haltung – einander zuhören, Unterschiede aushalten, gemeinsam Verantwortung übernehmen – kann auch für unsere demokratische Gesellschaft ein wichtiges Gegenmodell zu Spaltung, Vereinfachung und digitaler Empörung sein“, sagte Schalk.

Die Enzyklika setze damit, so der Vorsitzende des Diözesanrates, „ein starkes Zeichen für eine menschenwürdige Gestaltung des digitalen Zeitalters“. Kirche müsse dabei Anwältin der Menschen bleiben, „besonders dort, wo Menschen Gefahr laufen, in einer zunehmend automatisierten Welt übersehen, ersetzt oder wirtschaftlichen Interessen untergeordnet zu werden“.
 
(rm)